http://www.hanfthal.at/tourismus/geschichte.html 21.07.2012
Startseite mit Menüframe Tourismus Geschichte Siteinfo Startseite ohne Menüframe


Der Ursprung von Hanfthal liegt im Dunkel der Geschichte. Siedlungstätigkeiten sind ab der Jungsteinzeit nachgewiesen, also seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. Der Platz, an dem später das Dorf Hanfthal entstand, war ein bevorzugter Siedlungsort: eine Bodenmulde mit einem kleinen, teichartigen Gewässer auf einer sanften Anhöhe unmittelbar an die Flussniederung angrenzend und nahe dem wichtigen Nord-Süd-Weg zur Donau.

Otto von Machland

Die schriftliche Erstnennung findet man etwa zweihundert Jahre nach der vermutlichen Gründung. Mitte des 13. Jahrhunderts legte man im Hochstift Passau eine Art Grundbuch (Urbar) an. Dort wurde eingetragen, dass die Geschwister Otto, Walchum und Petrissa von Machland um ca. 1149 der Kirche von Passau auch Landgüter in Haniftal übereigneten.
Ur-Hanfthal (vermutliches Aussehen)

Der Ortsname ist durchaus plausibel, denn Hanf war im Mittelalter eine vielfach und sicher auch bei uns genutzte Kulturpflanze. Es ist anzunehmen, dass im flachen Teich in der Ortsmitte Hanf zur Vorbereitung für die Fasergewinnung eingeweicht wurde, und so der Ort zu seinem Namen gekommen ist.

Sicher war das Dorf Hanfthal sehr eng mit den Ereignissen, die Laa betrafen, verbunden, obwohl es darüber keine eigentlichen Aufzeichnungen gibt.

Die verschiedenen Grundherren von Hanfthal kamen aus Falkenstein, Steinebrunn, Fallbach, Loosdorf, Mailberg und Aspern.

Hanfthal war zu dieser Zeit keine eigene Pfarre. Die Bewohner gehörten kirchlich zuerst nach Fallbach. Seit der Gründung von Laa (ca. 1230) waren sie dann dieser Stadt zugehörig.

Ein entscheidender Entwicklungsschritt in Hanfthal war die Aufwertung zu einer Pfarre. Schon im Jänner 1631, nachdem eine schreckliche Pestseuche erloschen war, wurde von den Hanfthalern der Bau einer Kapelle zur Danksagung gelobt. Schließlich wurde diese Kapelle im Jahre 1651 gebaut und bereits im Jahre 1658 erweitert.

Der Laaer Pfarrer Schiffer von Schifferstern ließ 1720 einen ca. 22 Meter langen Pfarrkeller errichten, der heute in renovierter Form, immer noch vorhanden ist.

alte Pfarrkirche auf dem Friedhof

Nach der Pfarr-Regulierungsverordnung des Kaisers wurde Hanfthal zunächst durch ein Hofkanzleidekret vom 30. Juli 1783 zur Lokalkaplanei mit einem ständigen Priester. Die Bauarbeiten für die jetzige Pfarrkirche begannen 1845. Die feierliche Kirchenweihe fand am 31. Oktober 1847 statt. Vom restlichen nicht benötigten Baumaterial zum Kirchenbau errichtete man im selben Jahr noch die kleine gemauerte Marienkapelle (Frauenbild) an der alten Thayafurt.

Die entscheidende Veränderung für die künftige Entwicklung des Dorfes brachte das Jahr 1848 mit der Befreiung der Bauern von der Grundherrschaft und der Aufbau einer neuen Verwaltungsstruktur. Die Gemeinde hatte nun in weitgehender Selbstverwaltung ihr Schicksal selber in der Hand. Bereits 1850 wurde mit Franz Gmeiner der erste Bürgermeister der Gemeinde Hanfthal gewählt.

Aufgrund der immer wieder vorkommenden Brände wurde eine moderne Feuerspritze angekauft, sowie ein hölzernes Zeughaus neben dem Armenhaus errichtet. Mit dem neuen Pfarrer Carl Götz wurde der Bau des neuen Pfarrhofes im Jahre 1857 begonnen. 1860 wurde die Ausgestaltung des Platzes vor der Kirche und der Schule mit der Errichtung der Mariensäule abgeschlossen. 1861 wurde das schon verfallende Gemeindehaus neu erbaut und 1865 die Schule an die Gemeinde übergeben.

Zu dieser Zeit entschloss man sich auch, den Morast mitten im Ort trockenzulegen. 1862 erhielten 54 Bestiftete einen Anteil am Seegarten und dieser wurde in weiterer Zukunft als Gemüsegarten genutzt.

1873 wurde dann die erste Dresch- und Häckselmaschine angekauft. Als 1874 auf dem eben renovierten Kirchturm eine Turmuhr angebracht wurde, freute sich ganz Hanfthal über dieses sichtbare Zeichen der modernen Zeit.

Durch die Errichtung einer Floriani-Statue mitten im Seegarten, die Anlage von Obstbaumalleen an den Bezirksstraßen, den Bau der neuen Schule 1883 und der ersten Straßenbeleuchtung im selben Jahr wurde das Ortsbild herausgeputzt und das Selbstbewusstsein der Hanfthaler gehoben, was auch Oberlehrer Kraus 1889 in einem Beitrag für eine Bezirksheimatkunde festhielt:

Mit wenigen Ausnahmen gehören die Bewohner dem Bauernstand an. Ihre vorzüglichste Beschäftigung besteht in Ackerbau und Viehzucht. Auf die Ausschmückung ihrer Wohnhäuser verwenden sie sehr viel. Das Trottoir vor den Häusern ist gepflastert, die Wohnzimmer sind bequem und gut eingerichtet, die Dunggruben zweckmäßig angelegt und jedes Haus mit einer Göpel-Dreschmaschine versehen. Hanfthal gehört vermöge seiner regelmäßigen Bauart und den in der Mitte des Dorfes liegenden Gemeinde-Gemüsegärten zu den schönsten Dörfern des Bezirkes.
Ansichtskarte von Hanfthal von 1900

1887 wurde der Kirchturm erhöht und mit einem neuen Kreuz versehen, 1889 der Friedhof erneuert und eine Totenkammer gebaut. Besonders hervorzuheben ist in dieser Zeit die Gründung der Raiffeisenkasse Hanfthal im Jahre 1896 sowie die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1899. Mit 117 Häusern und fast 600 Einwohnern war Hanfthal auch so groß geworden wie nie zuvor.

Mit dem ersten Telefon, das als öffentliche Sprechstelle im Geschäft Kumhofer (Nr. 97) installiert wurde, hielt die moderne Nachrichtentechnik Einzug im Ort.

Der Ausbruch des Weltkrieges im Sommer 1914 bedeutete einen Einbruch in eine lange ungestörte Aufwärtsentwicklung. 28 eingerückte Hanfthaler waren gefallen und man errichtete ihnen 1922 auf dem Platz zwischen Kirche und Pfarrhof ein Denkmal.

Im Jahre 1927 kam mit Johannes Maria Lehner ein neuer Pfarrer in den Ort. Er war ein äußerst gütiger, hilfsbereiter, aber auch von seiner seelsorglichen Aufgabe unbeirrbarer überzeugter Mensch, der sogar als einziger aktiver Dorfpfarrer zum päpstlichen Hausprälaten ernannt wurde.

Hanfthal blieb eine typische bäuerliche Landgemeinde. Die Menschen waren an den politischen Auseinandersetzungen nur wenig interessiert. Der 2. Weltkrieg hatte auch Hanfthal nicht verschont. Er hatte 43 jungen Hanfthalern das Leben gekostet und hat damit viel Leid gebracht. Auch im Jahr nach Kriegsende kam es immer wieder zu Übergriffen durch russische Besatzungstruppen.

Fliegeraufnahme aus dem Jahr 1933

Im Jahre 1949 wurden unter Anwesenheit von Bundeskanzler Leopold Figl und Kardinal Innitzer drei neue Glocken für den Kirchturm geweiht und auch die Verhältnisse im Leben der Hanfthaler normalisierten sich wieder.

Die kommenden Jahre waren vom wirtschaftlichen Aufschwung geprägt. 1950 begann man mit der Zusammenlegung und Neuparzellierung der Hanfthaler Gründe und im Jahre 1956 mit der Renovierung und Modernisierung der Pfarrkirche, die schließlich 1965 abgeschlossen wurde.

Seit 1961 bemühte sich Hanfthal auch um eine umfassende Erneuerung der Dorfinfrastruktur und um ein modernes Dorfbild. Unter Bürgermeister Veit Eigner entschloss man sich, den einzigartigen Rundanger von jeder Verbauung frei zu halten, um seinen Charakter als Dorfmittelpunkt zu erhalten. Er wurde schließlich 1969 zum Sportplatz umgestaltet. Die Erneuerung der Kanalisation, der Wasser- und Erdgasversorgung, der Gehsteige und der Straßen, nicht zuletzt auch die gärtnerische Ausgestaltung des Ortes, haben bei den Bewohnern Gemeinschaftsgefühl und Verantwortungsbewusstsein für ihr Hanfthal geweckt. In diese Zeit fallen auch die Gründung des Kultur- und Verschönerungsvereines (1965) sowie des Sportvereines (1968).

Ein einschneidender Schritt wurde im Jahre 1972 mit der Eingliederung in die Großgemeinde Laa/Thaya getan. Trotz des Verlustes der Gemeindeeigenständigkeit wurde das lokale Selbstbestimmungsrecht bis zum heutigen Tage weitgehend durchgesetzt.

Auch die großen Feste wie das 60-jährige Bestandsjubiläum des Musikvereins (1980), die unvergesslichen Feierlichkeiten anlässlich 200 Jahre Pfarre (1984) und das anspruchsvolle Programm der Feier der urkundlichen Erstnennung vor 850 Jahren (1999) stellt die funktionierende Dorfgemeinschaft unter Beweis.

Am historischen Rundanger, wo das Dorf gegründet wurde, wurde ein Denkmal, bestehend aus zwei Sandsteinen errichtet, welche das Tor zum Rundanger versinnbildlichen. Auch mit dem neuen Dorfzeichen in Wappenform, welches die namengebende Hanfpflanze, den ehemaligen Seegarten und den Rundanger symbolisiert, soll dem Ort ein neues Selbstbewusstsein mit starker Identität gegeben werden. Herr Dr. W. Kitlitschka von der NÖ. Landesregierung bezeichnet die in jedem Schulatlas abgebildete Siedlungsform von Hanfthal als den eindrucksvollsten und bedeutendsten Rundanger in Österreich.

Auszüge aus dem Kulturheft "850 Jahre Rundangerdorf Hanfthal 1149 - 1999" von Dr. Rudolf Fürnkranz.